Das Wichtigste in Kürze:
- Jeder 404-Fehler ist eine verpasste Chance auf Traffic und Conversions
- 301-Weiterleitungen übertragen etwa 90% der Linkpower auf die neue URL
- Regelmäßige Prüfung verhindert, dass sich Fehler unbemerkt ansammeln
Ein Besucher klickt auf einen Link zu Ihrer Website. Statt der erwarteten Seite sieht er eine Fehlermeldung: "Seite nicht gefunden." Er klickt zurück und probiert das nächste Suchergebnis. Sie haben gerade einen potenziellen Kunden verloren.
Dieses Szenario wiederholt sich täglich auf Millionen von Websites. Defekte Links entstehen ständig – durch gelöschte Seiten, geänderte URLs, Tippfehler in Verlinkungen. Ohne aktive Pflege wächst die Zahl der 404-Fehler über die Zeit, bis sie messbar Traffic und Rankings kostet.
Was 404-Fehler wirklich bedeuten
Der HTTP-Statuscode 404 bedeutet: Die angeforderte Ressource wurde nicht gefunden. Der Server funktioniert, aber unter dieser URL existiert nichts. Das ist ein normaler Teil des Webs – URLs ändern sich, Inhalte verschwinden.
Problematisch wird es, wenn 404-Fehler an Stellen auftreten, wo Sie Traffic erwarten. Eine Produktseite, die externe Backlinks hat. Ein Blogartikel, der in den Suchergebnissen rankt. Eine Landingpage, die Sie in Werbematerialien beworben haben.
Jeder dieser 404-Fehler kostet Sie direkt Besucher. Schlimmer noch: Wenn Google systematisch auf 404-Seiten stößt, sinkt das Vertrauen in Ihre Website. Die Crawler verschwenden Zeit auf toten Pfaden statt wertvolle Seiten zu indexieren.
Die verschiedenen HTTP-Statuscodes verstehen
Nicht jeder Fehler ist ein 404, und nicht jede Weiterleitung ist gleich. Die Unterschiede sind wichtig für die richtige Reaktion.
| Statuscode | Bedeutung | SEO-Auswirkung |
|---|---|---|
| 200 | OK, Seite existiert | Positiv |
| 301 | Permanente Weiterleitung | Überträgt Linkpower (~90%) |
| 302 | Temporäre Weiterleitung | Überträgt weniger Linkpower |
| 404 | Nicht gefunden | Negativ, wenn wichtige Seite |
| 410 | Dauerhaft entfernt | Signalisiert Google: Vergiss diese URL |
| 500 | Serverfehler | Kritisch, sofort beheben |
Die 301-Weiterleitung ist Ihr wichtigstes Werkzeug. Sie sagt Suchmaschinen: Diese Seite ist umgezogen, hier ist die neue Adresse. Google überträgt dann die Bewertung der alten URL auf die neue.
Wie 404-Fehler entstehen
Gelöschte Seiten und Inhalte
Die häufigste Ursache: Eine Seite wird gelöscht, ohne dass jemand prüft, ob externe Links darauf zeigen. Das alte Produkt ist ausverkauft, der Blogartikel veraltet, die Aktion beendet. Die URL verschwindet, aber die Links im Web bleiben.
Geänderte URL-Strukturen
Bei einem Website-Relaunch ändern sich oft URL-Strukturen. Aus "/produkte/kategorie/produktname" wird "/shop/produktname". Ohne Weiterleitungen führen alle alten Links ins Leere.
Tippfehler in Links
Interne Verlinkungen werden oft manuell eingefügt. Ein Tippfehler, ein fehlendes Zeichen, ein Groß- statt Kleinbuchstabe – und der Link funktioniert nicht. Bei externen Verlinkungen anderer Websites haben Sie keinen Einfluss auf deren Tippfehler.
CMS-Änderungen und Plugins
WordPress-Plugins ändern manchmal URL-Strukturen. Kategorie-Prefixe werden hinzugefügt oder entfernt. Permalink-Einstellungen werden geändert. Jede dieser Änderungen kann existierende Links brechen.
404-Fehler systematisch finden
Google Search Console
Die Google Search Console zeigt unter "Seiten" alle URLs, die Google nicht indexieren konnte. Der Bericht "Nicht gefunden (404)" listet alle betroffenen Seiten. Priorisieren Sie nach der Anzahl der Zugriffe – je mehr Klicks eine 404-Seite generiert, desto dringender die Behebung.
Crawling-Tools
Tools wie Screaming Frog oder Sitebulb durchsuchen Ihre gesamte Website und finden defekte Links. Sie zeigen, welche Seiten auf 404-URLs verlinken, sodass Sie die Quelle des Problems beheben können.
Server-Logs
Ihre Server-Logs protokollieren jeden Zugriff, auch auf nicht existierende Seiten. Die Analyse zeigt, welche 404-URLs am häufigsten aufgerufen werden. Das ist besonders wertvoll für externe Links, die Crawling-Tools nicht finden.
Die richtige Weiterleitung wählen
Nicht jeder 404-Fehler braucht eine Weiterleitung. Manchmal ist ein 404 oder 410 die richtige Antwort. Die Entscheidung hängt vom Kontext ab.
Wann 301-Weiterleitung
Verwenden Sie 301, wenn es eine sinnvolle neue Zielseite gibt. Das Produkt wurde durch ein Nachfolgemodell ersetzt? Weiterleitung zum Nachfolger. Der Blogartikel wurde aktualisiert unter neuer URL? Weiterleitung zur neuen Version.
Die Zielseite sollte thematisch passen. Eine Weiterleitung von einer Produktseite zur Startseite ist besser als nichts, aber nicht ideal. Der Besucher sucht ein Produkt und landet auf einer generischen Seite.
Wann 410 (Gone)
Der Statuscode 410 signalisiert: Diese Ressource ist dauerhaft verschwunden und kommt nicht wieder. Das ist passend für:
Zeitlich begrenzte Aktionen, die nicht zurückkehren. Produkte, die dauerhaft aus dem Sortiment genommen wurden und keinen Nachfolger haben. Inhalte, die rechtlich entfernt werden mussten.
410 beschleunigt die De-Indexierung bei Google. Die Suchmaschine versteht: Hier gibt es nichts mehr zu holen.
Wann 404 akzeptabel ist
Nicht jede URL braucht eine Weiterleitung. Seiten ohne Traffic, ohne Backlinks und ohne Ranking können einfach als 404 bestehen bleiben. Der Aufwand für eine Weiterleitung lohnt sich nicht.
Prüfen Sie vor der Entscheidung immer: Hat diese URL externe Backlinks? Generiert sie noch Traffic? Rankt sie für irgendwelche Keywords?
Weiterleitungen technisch umsetzen
In der .htaccess (Apache)
Für Apache-Server sind Weiterleitungen in der .htaccess-Datei der Standard:
Redirect 301 /alte-seite.html https://www.example.com/neue-seite.html
Für komplexere Muster nutzen Sie RewriteRules:
RewriteEngine On
RewriteRule ^alte-kategorie/(.*)$ /neue-kategorie/$1 [R=301,L]
In WordPress
Das Plugin "Redirection" ist der Standard für WordPress. Es bietet eine Oberfläche zur Verwaltung von Weiterleitungen und protokolliert 404-Fehler automatisch.
Bei Yoast SEO Premium ist die Weiterleitungsfunktion integriert. Wenn Sie eine URL ändern, schlägt das Plugin automatisch eine Weiterleitung vor.
In nginx
Nginx-Server nutzen eine andere Syntax in der Konfiguration:
location /alte-seite.html {
return 301 https://www.example.com/neue-seite.html;
}
Häufige Fehler bei Weiterleitungen
Weiterleitungsketten
Seite A leitet zu B, B leitet zu C, C leitet zu D. Jeder Schritt kostet Ladezeit und Linkpower. Google folgt maximal fünf Weiterleitungen. Halten Sie den Weg immer direkt: von alt zu neu, ohne Zwischenstationen.
Weiterleitungsschleifen
A leitet zu B, B leitet zurück zu A. Das Ergebnis: Der Browser dreht sich im Kreis, bis er aufgibt. Schleifen entstehen oft bei komplexen Weiterleitungsregeln. Testen Sie jede neue Regel sofort nach dem Einrichten.
Falsche Weiterleitungstypen
302 statt 301 zu verwenden ist ein häufiger Fehler. Viele CMS-Systeme setzen standardmäßig 302. Das ist für temporäre Umleitungen gedacht und überträgt weniger SEO-Wert. Prüfen Sie, dass Ihre dauerhaften Weiterleitungen wirklich 301 sind.
Massenweiterleitungen zur Startseite
Alle alten URLs auf die Startseite weiterleiten ist besser als nichts, aber nicht viel. Google erkennt dieses Muster und bewertet es als "Soft 404". Die Linkpower geht trotzdem verloren.
Die 404-Seite optimieren
Nicht alle 404-Fehler können Sie verhindern. Manche entstehen durch Tippfehler der Nutzer, andere durch veraltete externe Links, die Sie nicht kontrollieren. Eine gute 404-Seite fängt diese Besucher auf.
Eine hilfreiche 404-Seite bietet Orientierung. Sie erklärt freundlich, was passiert ist. Sie zeigt die Suchfunktion prominent. Sie verlinkt auf beliebte Seiten oder Kategorien. Sie bietet einen klaren Weg zurück zur normalen Navigation.
Was eine 404-Seite nicht tun sollte: Beschuldigen. "Sie haben einen falschen Link geklickt" ist defensiv und unhöflich. Besser: "Diese Seite gibt es leider nicht mehr. Hier sind Alternativen."
Monitoring und Prävention
Richten Sie regelmäßige Checks ein. Die Search Console sollten Sie wöchentlich auf neue 404-Fehler prüfen. Ein monatlicher Crawl mit Screaming Frog findet defekte interne Links.
Führen Sie vor URL-Änderungen immer eine Impact-Analyse durch. Welche Seiten haben Backlinks? Welche ranken für Keywords? Diese Seiten brauchen Weiterleitungen, andere können Sie ignorieren.
Dokumentieren Sie alle Weiterleitungen. Eine Excel-Tabelle oder Datenbank mit Quelle, Ziel und Datum hilft bei späteren Problemen.
Prüfen Sie Ihre Website regelmäßig mit unserem Link-Checker und identifizieren Sie defekte Links, bevor sie zum Problem werden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange sollte eine 301-Weiterleitung aktiv bleiben?
Mindestens ein Jahr, idealerweise unbegrenzt. Google braucht Zeit, um die neue URL zu crawlen und zu indexieren. Externe Links, die Sie nicht kontrollieren, zeigen möglicherweise noch jahrelang auf die alte URL. Es kostet fast nichts, Weiterleitungen dauerhaft zu behalten.
Wie viele Weiterleitungen kann eine Website haben?
Es gibt kein technisches Limit, aber jede Weiterleitung kostet minimal Serverressourcen. Bei tausenden Weiterleitungen sollten Sie über eine Datenbankgestützte Lösung nachdenken statt Textdateien. Performance-Probleme entstehen erst bei extremen Mengen.
Schadet ein 404-Fehler dem Ranking der gesamten Website?
Einzelne 404-Fehler schaden nicht. Sie sind ein normaler Teil des Webs. Problematisch wird es bei systematischen Problemen: Hunderte 404-Fehler, wichtige Seiten ohne Weiterleitung, dauerhaft defekte interne Links. Das signalisiert Google mangelnde Pflege.