Das Wichtigste in Kürze:
- Duplicate Content entsteht, wenn identische Inhalte unter mehreren URLs erreichbar sind
- Google bestraft doppelte Inhalte nicht direkt, verschwendet aber Crawl-Budget und splittet Ranking-Signale
- Canonical Tags zeigen Suchmaschinen die bevorzugte URL-Version und konsolidieren die Ranking-Kraft
Haben Sie schon einmal bemerkt, dass Ihre wichtigsten Seiten nicht so gut ranken wie erwartet? Die Ursache könnte Duplicate Content sein, ein Problem, das viele Website-Betreiber unterschätzen oder gar nicht bemerken.
Duplicate Content bedeutet, dass gleiche oder sehr ähnliche Inhalte unter verschiedenen URLs abrufbar sind. Das passiert schneller als gedacht: URL-Parameter, HTTP vs. HTTPS, Druckversionen oder Produktvarianten erzeugen oft unbeabsichtigt doppelte Seiten. Die gute Nachricht ist, dass sich dieses Problem mit dem richtigen Einsatz von Canonical Tags zuverlässig lösen lässt.
Wie Duplicate Content entsteht
Von Duplicate Content spricht man, wenn identischer oder nahezu identischer Inhalt unter mehr als einer URL erreichbar ist. Interner Duplicate Content entsteht innerhalb der eigenen Website durch URL-Varianten, Session-IDs oder unterschiedliche Protokolle. Externer Duplicate Content liegt vor, wenn identische Inhalte auf verschiedenen Domains erscheinen, etwa bei syndizierten Artikeln.
| Ursache | Beispiel |
|---|---|
| URL-Parameter | /produkt?farbe=rot vs. /produkt?farbe=blau |
| WWW vs. Non-WWW | www.beispiel.de vs. beispiel.de |
| HTTP vs. HTTPS | http://beispiel.de vs. https://beispiel.de |
| Trailing Slash | /seite vs. /seite/ |
| Paginierung | /kategorie vs. /kategorie?page=1 |
Besonders E-Commerce-Websites kämpfen mit diesem Problem. Wenn ein Produkt in drei Farben und vier Größen verfügbar ist, können schnell zwölf nahezu identische URLs entstehen.
Warum Duplicate Content Ihre Rankings gefährdet
Google hat mehrfach betont, dass es keine direkte Abstrafung für Duplicate Content gibt. Trotzdem schadet doppelter Inhalt Ihrer SEO-Performance erheblich.
Jede Website hat ein begrenztes Crawl-Budget. Wenn Googlebot Zeit damit verbringt, dieselben Inhalte unter verschiedenen URLs zu crawlen, bleibt weniger Zeit für Ihre wirklich wichtigen Seiten. Bei großen Websites kann das dazu führen, dass neue Inhalte verspätet oder gar nicht indexiert werden.
Wenn andere Websites auf Ihren Content verlinken, verweisen manche vielleicht auf Version A, andere auf Version B. Die wertvollen Backlinks werden auf mehrere URLs verteilt statt auf einer zu konzentrieren. Das gleiche gilt für Social Shares und interne Verlinkung. Ohne klare Signale entscheidet Google selbst, welche Version indexiert wird – und diese Entscheidung entspricht nicht immer Ihren Wünschen.
Canonical Tags verstehen und einsetzen
Das Canonical Tag (rel="canonical") ist ein HTML-Element im Head-Bereich einer Seite. Es teilt Suchmaschinen mit, welche URL die bevorzugte Version eines Inhalts ist:
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/produkt" />
Dieses Tag sagt aus: "Auch wenn du diese Seite unter einer anderen URL gefunden hast, ist die echte Version unter dieser URL zu finden." Die gängigste Methode ist das Einfügen im Head-Bereich jeder Seite. Für Nicht-HTML-Dokumente wie PDFs können Sie den Canonical per HTTP-Header setzen. Die in der XML-Sitemap aufgeführten URLs verstärken zusätzlich das Signal.
Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Canonical Tags und Weiterleitungen. Beide lösen Duplicate-Content-Probleme, aber auf unterschiedliche Weise: Verwenden Sie 301-Redirects, wenn eine URL tatsächlich nicht mehr existieren soll. Canonical Tags eignen sich, wenn beide URLs für Nutzer erreichbar bleiben sollen, etwa bei Filter-Parametern in einem Shop.
Häufige Fehler vermeiden
Selbst erfahrene SEOs machen bei Canonical Tags Fehler. Wenn Ihr Canonical Tag auf URL A zeigt, die interne Verlinkung aber auf URL B, und die Sitemap URL C enthält, verwirrt das Suchmaschinen. Sorgen Sie für konsistente Signale über alle technischen Elemente hinweg.
Zeigt Ihr Canonical auf eine Seite mit noindex-Tag oder die durch robots.txt blockiert ist, entsteht ein Konflikt. Google kann nicht gleichzeitig indexieren und nicht indexieren. Bei paginierten Inhalten sollte jede Seite einen Self-Canonical haben, nicht auf Seite 1 verweisen – Seite 2 einer Kategorie ist eigenständiger Content. Prüfen Sie Ihre URL-Struktur, um eine klare Hierarchie zu schaffen.
Wenn Seite A auf B verweist und B auf C, entsteht eine Canonical-Kette. Google folgt diesen Ketten nicht immer vollständig. Verweisen Sie direkt auf die finale kanonische URL.
Canonical Tags in der Praxis
In Online-Shops erzeugen Produktvarianten oft hunderte ähnlicher URLs. Wenn Farbe und Größe den Hauptinhalt nicht verändern, setzen Sie einen Canonical auf die Basis-Produktseite. Haben Varianten jedoch unterschiedliche Beschreibungen oder Preise, verdienen sie eigene kanonische URLs.
Filter in Shop-Kategorien wie "nur Größe M" oder "Preis unter 50 Euro" erzeugen oft unzählige URL-Kombinationen. Hier bewährt sich eine Kombination aus Canonical Tags auf die ungefilterte Kategorie und der Steuerung über die Google Search Console. Wenn Ihre Inhalte mit Erlaubnis auf anderen Websites erscheinen, sollte der Partner einen Cross-Domain Canonical auf Ihre Original-URL setzen.
Regelmäßige Kontrolle ist wichtig, da neue Duplikate jederzeit entstehen können. Die Search Console zeigt unter "Seiten" ausgeschlossene URLs und den Grund dafür. "Duplikat: Von Nutzer ausgewählte kanonische URL" bedeutet, dass Ihr Canonical funktioniert. "Duplikat: Google hat eine andere kanonische URL ausgewählt" zeigt Probleme an. Tools wie Screaming Frog finden widersprüchliche Signale automatisch.
Verlinken Sie intern immer auf dieselbe URL-Version und achten Sie auf konsistente Verwendung von internen Links. Wenn Sie Content in mehreren Sprachen anbieten, verwenden Sie hreflang-Tags statt Canonicals, um die Sprachversionen zu verbinden – jede Sprachversion ist eigenständiger Content, kein Duplikat.
Häufig gestellte Fragen
Braucht jede Seite ein Canonical Tag?
Jede Seite sollte ein Self-Canonical haben, also einen Verweis auf sich selbst. Das klingt redundant, stärkt aber die Signale und schützt vor unbeabsichtigten Duplikaten durch angehängte Parameter. Die meisten CMS fügen Self-Canonicals automatisch ein.
Was passiert, wenn ich kein Canonical setze?
Google wählt selbst eine kanonische Version aus, basierend auf verschiedenen Signalen wie Verlinkung, HTTPS-Status und URL-Länge. Diese automatische Wahl entspricht nicht immer Ihren Wünschen. Mit expliziten Canonicals behalten Sie die Kontrolle.
Wie schnell wirken Canonical Tags?
Es kann Wochen bis Monate dauern, bis Google Canonical-Änderungen vollständig verarbeitet hat. Überwachen Sie die Indexierung in der Search Console und erwarten Sie keine sofortigen Ergebnisse.
Kann Google mein Canonical ignorieren?
Ja, Canonicals sind Empfehlungen, keine Anweisungen. Wenn andere Signale stark widersprechen, etwa viele Backlinks auf eine andere URL zeigen, kann Google eine andere Version als kanonisch behandeln.