Das Wichtigste in Kürze:
- Ein schlecht geplanter Relaunch kann 50-80% des organischen Traffics kosten
- 301-Weiterleitungen sind das wichtigste Werkzeug zum Erhalt der Rankings
- Die Vorbereitung beginnt Wochen vor dem Launch, die Nachbereitung dauert Monate
Der neue Webauftritt steht kurz vor der Veröffentlichung. Monatelange Arbeit an Design, Inhalten und Technik nähert sich dem Höhepunkt. Dann kommt der große Tag – und eine Woche später ist der organische Traffic um 60 Prozent eingebrochen. Die Telefone klingeln nicht mehr. Die Anfragen bleiben aus.
Dieses Szenario erleben Unternehmen häufiger, als man denkt. Ein Website-Relaunch ohne SEO-Strategie ist wie ein Umzug, bei dem niemand die neue Adresse erfährt. Die alte Adresse funktioniert nicht mehr, die neue kennt keiner. Google braucht Zeit, um die Verbindung herzustellen – wenn überhaupt.
Warum Relaunches so oft schiefgehen
Die meisten Relaunch-Projekte fokussieren sich auf Design und Funktionalität. SEO kommt erst ins Spiel, wenn es bereits zu spät ist. Dann sind die URL-Strukturen festgelegt, die Inhalte neu organisiert und die alte Website Geschichte.
Google bewertet jede URL einzeln. Wenn sich URLs ändern, ohne dass Sie Google mitteilen, wo die neuen Seiten zu finden sind, verschwinden Ihre Rankings. Die Suchmaschine muss die neuen Seiten erst entdecken, crawlen und bewerten. Das dauert Wochen bis Monate.
Noch problematischer wird es, wenn Inhalte verschwinden oder zusammengelegt werden. Jede Seite, die Traffic generiert hat, ist ein Asset. Löschen Sie sie ohne Weiterleitungsstrategie, löschen Sie auch deren Ranking-Potenzial.
Die drei Phasen eines SEO-sicheren Relaunches
Ein erfolgreicher Relaunch gliedert sich in drei Phasen: Vorbereitung, Migration und Nachbereitung. Jede Phase hat spezifische Aufgaben, die Sie nicht überspringen sollten.
Phase 1: Vorbereitung (4-8 Wochen vor Launch)
Bevor Sie etwas an der neuen Website ändern, brauchen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme der alten. Welche Seiten existieren? Welche generieren Traffic? Welche haben Backlinks?
Exportieren Sie alle URLs Ihrer aktuellen Website. Die Google Search Console zeigt Ihnen, welche Seiten wie viel Traffic bringen. Konzentrieren Sie sich besonders auf die Top 100 Seiten – sie machen oft 80 Prozent des Traffics aus.
Prüfen Sie externe Backlinks mit Tools wie Ahrefs oder der Search Console. Seiten mit wertvollen Backlinks verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wenn diese URLs verschwinden, verlieren Sie die Linkpower.
Phase 2: Migration (Launch-Tag)
Der Launch-Tag selbst sollte reibungslos verlaufen, weil Sie alles vorbereitet haben. Die wichtigste Maßnahme: 301-Weiterleitungen für jede alte URL, die sich ändert.
| Situation | Richtige Weiterleitung |
|---|---|
| URL ändert sich, Inhalt bleibt | 301 von alt zu neu |
| Zwei Seiten werden zusammengelegt | 301 von beiden zu neuer Seite |
| Seite wird gelöscht (kein Ersatz) | 301 zur nächstbesten Alternative |
| Seite wird gelöscht (irrelevant) | 410 Gone Status |
Testen Sie jede Weiterleitung vor dem Launch. Ein einziger Tippfehler kann eine wichtige Seite unerreichbar machen. Automatisierte Tools helfen, aber manuelle Stichproben sind unverzichtbar.
Phase 3: Nachbereitung (1-3 Monate nach Launch)
Nach dem Launch beginnt die eigentliche Arbeit. Überwachen Sie die Search Console täglich in den ersten zwei Wochen. Achten Sie auf Crawl-Fehler, Indexierungsprobleme und Ranking-Veränderungen.
Die technische SEO-Checkliste hilft Ihnen, systematisch nach Problemen zu suchen. Broken Links, fehlende Weiterleitungen und Performance-Einbrüche zeigen sich oft erst nach dem Launch.
Das Weiterleitungs-Mapping erstellen
Das Herzstück jeder Migration ist die Weiterleitungstabelle. Sie verbindet jede alte URL mit ihrem neuen Ziel. Klingt einfach, wird aber bei größeren Websites schnell komplex.
Beginnen Sie mit einem Export aller URLs der alten Website. Crawling-Tools wie Screaming Frog erfassen jede Seite systematisch. Ergänzen Sie die Liste mit Daten aus der Search Console – dort sehen Sie, welche Seiten tatsächlich Traffic bringen.
Für jede alte URL bestimmen Sie das passende Ziel auf der neuen Website. Manchmal ist es eine direkte Entsprechung, manchmal eine thematisch verwandte Seite. Im Zweifelsfall leiten Sie zur Startseite oder Kategorieseite weiter – besser als gar keine Weiterleitung.
Dokumentieren Sie Ihre Entscheidungen. Wenn später Probleme auftauchen, müssen Sie nachvollziehen können, warum welche Weiterleitung wohin führt.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fehler 1: Weiterleitungsketten
Eine Weiterleitung führt zur nächsten, die zur nächsten führt. Google folgt maximal fünf Weiterleitungen, bevor es aufgibt. Jede zusätzliche Weiterleitung verzögert außerdem die Ladezeit.
Prüfen Sie nach dem Launch auf Ketten. Wenn Seite A zu B weiterleitet und B zu C, ändern Sie die Weiterleitung von A direkt zu C. Halten Sie Weiterleitungen flach.
Fehler 2: Inhalte ohne Ersatz löschen
Jede Seite, die Traffic oder Backlinks hat, verdient eine Weiterleitung. Auch wenn der Inhalt auf der neuen Website nicht mehr existiert, leiten Sie zur nächstbesten Alternative weiter. Die Kategorie-Übersicht ist besser als eine 404-Seite.
Bei 404-Fehlern verlieren Sie nicht nur den Traffic dieser Seite, sondern auch die Linkpower der eingehenden Backlinks.
Fehler 3: Robots.txt blockiert neue Seiten
Nach dem Launch vergessen viele, die robots.txt anzupassen. Während der Entwicklung blockiert sie oft den gesamten Staging-Server. Wenn diese Einstellung auf die Live-Site übertragen wird, kann Google nichts indexieren.
Prüfen Sie die robots.txt sofort nach dem Launch. Testen Sie mit dem URL-Prüftool in der Search Console, ob wichtige Seiten crawlbar sind.
Fehler 4: Canonical Tags zeigen auf alte URLs
Canonical Tags signalisieren Google die bevorzugte Version einer Seite. Wenn sie nach dem Relaunch noch auf die alten URLs zeigen, entstehen Verwirrung und Indexierungsprobleme.
Überprüfen Sie die Canonical Tags auf allen wichtigen Seiten. Sie müssen auf die neuen, aktuellen URLs zeigen – nicht auf die alten oder auf die Staging-Domain.
Die neue Website SEO-optimieren
Ein Relaunch ist die perfekte Gelegenheit, SEO-Altlasten zu beseitigen. Nutzen Sie die Chance, die neue Website von Anfang an richtig aufzusetzen.
Die URL-Struktur sollte logisch und flach sein. Kurze, beschreibende URLs ranken besser als lange mit kryptischen Parametern. Wenn Sie URLs ohnehin ändern, ändern Sie sie richtig.
Überarbeiten Sie Meta-Tags für alle wichtigen Seiten. Neue Designs erfordern oft neue Title-Längen. Nutzen Sie die Gelegenheit, veraltete Descriptions zu aktualisieren.
Prüfen Sie die Ladegeschwindigkeit der neuen Website. Neue Designs bringen oft neue Performance-Probleme mit. Optimieren Sie Bilder, aktivieren Sie Caching und minimieren Sie JavaScript.
Nach dem Launch: Monitoring und Reaktion
Die ersten Wochen nach dem Launch sind kritisch. Kleine Probleme können schnell eskalieren, wenn sie unbemerkt bleiben.
Richten Sie Alerts in der Search Console ein. Google benachrichtigt Sie bei schwerwiegenden Problemen automatisch. Ergänzen Sie diese mit manuellen Checks: Stichproben der wichtigsten Seiten, Prüfung der Weiterleitungen, Kontrolle der Rankings.
| Metrik | Prüfintervall | Warnzeichen |
|---|---|---|
| Crawl-Fehler | Täglich | Plötzlicher Anstieg |
| Indexierte Seiten | Wöchentlich | Starker Rückgang |
| Organischer Traffic | Täglich | Einbruch über 20% |
| Rankings Top-Keywords | Wöchentlich | Verlust um mehr als 5 Positionen |
Ein gewisser Traffic-Rückgang in den ersten Wochen ist normal. Google muss die neue Website verstehen und bewerten. Beobachten Sie den Trend über mehrere Wochen, bevor Sie in Panik geraten.
Wann Sie professionelle Hilfe brauchen
Kleine Websites mit wenigen Seiten können Sie selbst migrieren. Bei größeren Projekten – hunderte Seiten, komplexe Weiterleitungslogik, internationalen Strukturen – lohnt sich professionelle Unterstützung.
Ein erfahrener SEO-Berater erkennt Risiken, die Laien übersehen. Er bringt Werkzeuge und Prozesse mit, die Fehler minimieren. Die Investition zahlt sich aus, wenn sie einen Traffic-Einbruch verhindert.
Analysieren Sie die aktuelle Performance Ihrer Website mit unserem SEO-Analyzer, bevor Sie den Relaunch planen. So haben Sie eine solide Baseline für den Vorher-Nachher-Vergleich.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, bis sich Rankings nach einem Relaunch erholen?
Bei korrekter Umsetzung mit vollständigen Weiterleitungen erholen sich Rankings typischerweise innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Größere Einbrüche ohne klare technische Ursache können auf inhaltliche Probleme hinweisen und länger dauern. Ohne Weiterleitungen kann die Erholung Monate dauern oder ausbleiben.
Muss ich jede einzelne URL weiterleiten?
Konzentrieren Sie sich auf Seiten mit Traffic und Backlinks. Seiten ohne Besucher und ohne externe Links können Sie ignorieren – Google vergisst sie ohnehin. Priorisieren Sie nach Wichtigkeit: Top-100-Seiten zuerst, dann absteigend nach Traffic.
Kann ich einen Relaunch rückgängig machen, wenn etwas schiefgeht?
Technisch ja, praktisch schwierig. Ein Rollback zur alten Website ist möglich, aber die SEO-Schäden sind bereits entstanden. Besser ist gründliche Vorbereitung und schnelle Problemlösung nach dem Launch. Halten Sie die alte Website als Backup bereit, aber planen Sie nicht damit.