Samstagmorgen, kurz nach sieben, unter der Spüle steht Wasser. Wer jetzt einen Installateur braucht, sucht ihn am Handy, mit einer Hand, während die andere den Eimer hält. Die erste Website, die Google anzeigt, entscheidet dann über etwas sehr Einfaches: ob in einer halben Minute jemand am Telefon ist oder ob es beim nächsten Betrieb in der Liste weitergeht.
Hinter dieser Website steht ein Betrieb, der tagsüber auf Baustellen arbeitet und abends Angebote schreibt. Die Seite wurde irgendwann gebaut, sie läuft, und solange das Telefon klingelt, hat niemand Anlass nachzusehen, ob sich die Nummer darauf am Handy antippen lässt. Das ist kein Vorwurf. Genau deshalb haben wir nachgesehen.
Im September 2026 haben wir die Startseiten von 625 Betrieben aus 17 Städten zwischen Mainz und Lörrach abgerufen, von Malern, Elektrikern, Dachdeckern sowie Sanitär- und Heizungsbauern. 534 davon liessen sich auswerten. Geprüft hat eine Software, dieselbe, die auf dieser Website für jeden frei läuft. Wo sie unsicher war, haben wir von Hand nachgesehen, und wo sie zu oft danebenlag, veröffentlichen wir die Zahl nicht.
Vorweg die gute Nachricht: Die meisten dieser Seiten sind ordentlich gemacht. Die Hälfte erreicht im Website-Check 84 von 100 Punkten oder mehr. Was fehlt, sind selten grosse Dinge, sondern Kleinigkeiten, die im Alltag niemandem auffallen, bis ein Kunde an ihnen hängen bleibt.
Die Ergebnisse der Website-Studie in vier Zahlen
36 %
der Telefonnummern sind am Handy nicht antippbar.
167 von 467 Websites mit Telefonnummer
31 %
haben keine eigene Beschreibung für das Google-Suchergebnis.
164 von 534 Websites
13 %
laden Google Fonts, eine Google-Karte oder Zählcode, bevor jemand zustimmen konnte.
71 von 534 Websites
13 %
zeigen auf der Startseite überhaupt keine Telefonnummer.
67 von 534 Websites
Die Telefonnummer auf der Handwerker-Website: sichtbar, aber nicht antippbar
Zurück zum Samstagmorgen. Auf 167 von 467 Websites, die eine Telefonnummer zeigen, steht sie als gewöhnlicher Text. Am Handy heisst das: markieren, kopieren, in die Telefon-App wechseln, einfügen. Mit einer Hand am Eimer wird jeder dieser Schritte zur Gelegenheit, es doch beim nächsten Betrieb in der Liste zu versuchen.
Die Abhilfe ist eine einzige Zeile: ein Verweis mit tel: vor der Nummer. Dann genügt ein Tippen, und das Handy wählt. Weitere 13 % der geprüften Websites zeigen auf der Startseite gar keine Nummer, auch nicht in der Kopf- oder Fusszeile.
Datenschutz beim Seitenaufruf: Google-Dienste ohne Zustimmung
13 % der Websites bauen beim Aufruf eine Verbindung zu Google oder Meta auf, bevor der Besucher irgendwo zustimmen konnte. Am häufigsten sind Schriften von Googles Servern (8 %), dazu Zählcode von Google Analytics, dem Tag Manager oder dem Meta-Pixel ohne jedes Einwilligungswerkzeug (4 %) und eingebettete Google-Karten (2 %).
Bei jeder dieser Verbindungen geht die IP-Adresse des Besuchers an Google oder Meta. Das Landgericht München I hat einem Besucher dafür am 20. Januar 2022 Schadensersatz zugesprochen (Az. 3 O 17493/20). Danach folgte eine Welle von Abmahnungen, auch gegen kleine Betriebe. Bei Schriften ist die Abhilfe einfach: die Schriftdateien auf den eigenen Server legen. 34 der 44 Websites mit Google Fonts laufen mit WordPress, wo viele Themes die Schriften in der Voreinstellung von Google laden.
Bewusst entschieden hat das vermutlich kaum jemand. Die Schriften kommen mit dem Design der Seite, die Karte mit dem Baukasten. Die Abmahnung geht trotzdem an den Betrieb, nicht an den, der die Seite gebaut hat. Ob eine einzelne Seite tatsächlich angreifbar ist, kann diese Studie nicht sagen, das wäre eine Frage für einen Anwalt.
Die Anteile für Schriften, Zählcode und Karten sind Untergrenzen. Geprüft wurde, was im ausgelieferten Quelltext der Startseite steht. Was erst ein Skript nachlädt oder nur auf Unterseiten eingebunden ist, zählt hier nicht mit.
Bei Google: was im Suchergebnis über den Betrieb steht
Bevor ein Kunde die Website sieht, sieht er zwei Zeilen bei Google: den Titel der Seite und darunter eine kurze Beschreibung. In diesen zwei Zeilen fällt die Entscheidung, ob jemand klickt. 31 % der Websites haben keine eigene Beschreibung für das Suchergebnis. Google stellt dann selbst einen Auszug aus dem Seitentext zusammen, und was darin steht, bestimmt nicht mehr der Betrieb. Ohne Seitentitel waren 5 von 534 Websites, und 2 von 416 sperren Google per robots.txt aus.
7 % der Seiten sind nicht für Handys eingerichtet: Ihnen fehlt die Angabe, mit der sich eine Seite an die Bildschirmbreite anpasst. 4 % sind nur unverschlüsselt erreichbar, weil ihr Zertifikat fehlt oder nicht zur Adresse passt. Der Browser kennzeichnet sie als nicht sicher.
Fachkräfte und Ausbildung: die Handwerker-Website als Stellenanzeige
Im Handwerk ist der Mangel an Fachkräften seit Jahren ein Dauerthema, und auf den Websites ist er unübersehbar. Jede zweite geprüfte Website verweist schon auf der Startseite auf Stellenangebote, eine Karriereseite oder freie Ausbildungsplätze (270 von 531). Wie oft, hängt deutlich vom Gewerk ab:
61 %
Dachdecker
65 von 106 Websites
61 %
Sanitär, Heizung, Klima
94 von 154 Websites
50 %
Elektro
69 von 139 Websites
32 %
Maler und Lackierer
42 von 132 Websites
Warum Maler seltener um Personal werben, sagt die Prüfung nicht. Vielleicht suchen sie auf anderen Wegen, vielleicht ist der Druck dort kleiner. Eine Website zeigt, was ein Betrieb sagt, nicht, was er denkt.
Für viele Betriebe ist die Website längst auch eine Stellenanzeige. Umso mehr zählt, was weiter oben steht: Wer sich auf eine Stelle melden will, sollte die Nummer antippen können, statt sie von Hand zu übertragen. Einen Chat per WhatsApp bieten 4 % der Websites an (22 von 531).
In allen vier geprüften Gewerken setzt die Eintragung in die Handwerksrolle einen Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation voraus. Auf der Startseite erwähnt mehr als jede vierte Website den Meisterbetrieb, im Text oder als Siegel (151 von 531).
Was Handwerksbetriebe an ihrer Website sofort ändern können
Keine der Lücken aus dieser Studie verlangt eine neue Website. Die meisten lassen sich an einem Nachmittag schliessen, von dem, der die Seite ohnehin pflegt:
- Die Telefonnummer als Verweis. Ein
tel:vor der Nummer, am besten in Kopf- oder Fusszeile, damit sie auf jeder Seite antippbar ist. - Schriften vom eigenen Server. Die Schriftdateien herunterladen und selbst ausliefern, Karten und Videos erst laden, wenn der Besucher zugestimmt hat.
- Eine eigene Beschreibung für Google. Zwei Sätze darüber, was der Betrieb macht und für welche Gegend.
- Stellen und Meisterbrief nach vorn. Wer Leute sucht oder ein Meisterbetrieb ist, sagt es auf der Startseite und nicht erst auf der dritten Unterseite.
Den Kunden fällt davon nichts auf, und genau darum geht es. Sie tippen auf die Nummer, und im Betrieb klingelt das Telefon.
Alle Befunde der Studie im Überblick
| Befund | Anteil | Websites |
|---|---|---|
| Lädt beim Aufruf einen Dienst von Google oder Meta, bevor jemand zustimmen konnte (Schriften, Karte oder Zählcode) | 13 % | 71 von 534 |
| Lädt Schriften von Googles Servern (Google Fonts) | 8 % | 44 von 534 |
| Bindet auf der Startseite eine Google-Karte ein, die ohne Zustimmung lädt | 2 % | 9 von 534 |
| Bindet YouTube ohne den datensparsamen Modus ein | 1 % | 4 von 534 |
| Lädt Zählcode von Google oder Meta ohne Einwilligungsmodus und ohne erkennbares Einwilligungswerkzeug | 4 % | 19 von 534 |
| Nutzt Fremddienste, aber kein erkennbares Einwilligungswerkzeug (unter den Seiten mit Fremddiensten) | 64 % | 43 von 67 |
| Ist nicht verschlüsselt (kein HTTPS) | 4 % | 22 von 534 |
| Ist nicht für Handys eingerichtet (kein Viewport) | 7 % | 38 von 534 |
| Zeigt auf der Startseite keine Telefonnummer | 13 % | 67 von 534 |
| Telefonnummer lässt sich am Handy nicht antippen (unter den Seiten mit Nummer) | 36 % | 167 von 467 |
| Hat keinen Seitentitel | 1 % | 5 von 534 |
| Hat keine Beschreibung für das Suchergebnis | 31 % | 164 von 534 |
| Sperrt Google per robots.txt aus | 0 % | 2 von 416 |
| Verlinkt auf der Startseite Stellenangebote, Karriere oder Ausbildung | 51 % | 270 von 531 |
| Bietet auf der Startseite einen Kontakt per WhatsApp an | 4 % | 22 von 531 |
| Nennt auf der Startseite den Meisterbetrieb | 28 % | 151 von 531 |
Handwerker-Websites je Stadt
Eigene Anteile nennen wir ab 25 ausgewerteten Websites. Darunter verschiebt eine einzelne Seite den Anteil um mehrere Punkte. Die Websites zählen trotzdem in die Gesamtzahlen.
| Stadt | Websites | Nummer nicht antippbar | keine Nummer | Google-Dienst ohne Zustimmung | keine Beschreibung | nicht fürs Handy |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Aschaffenburg | 36 | 47 % | 6 % | 11 % | 28 % | 3 % |
| Bruchsal | 31 | 50 % | 16 % | 16 % | 32 % | 10 % |
| Darmstadt | 31 | 44 % | 19 % | 13 % | 45 % | 10 % |
| Esslingen | 33 | 32 % | 15 % | 15 % | 33 % | 6 % |
| Freiburg | 25 | 36 % | 0 % | 8 % | 36 % | 4 % |
| Göppingen | 30 | 20 % | 17 % | 17 % | 20 % | 3 % |
| Heilbronn | 35 | 30 % | 6 % | 23 % | 23 % | 3 % |
| Karlsruhe | 36 | 29 % | 6 % | 11 % | 22 % | 6 % |
| Lörrach | 26 | 26 % | 12 % | 19 % | 27 % | 8 % |
| Ludwigsburg | 35 | 55 % | 17 % | 6 % | 51 % | 9 % |
| Mainz | 35 | 38 % | 9 % | 17 % | 26 % | 17 % |
| Offenburg | 29 | 44 % | 14 % | 7 % | 28 % | 3 % |
| Pforzheim | 35 | 26 % | 11 % | 0 % | 31 % | 3 % |
| Reutlingen | 35 | 39 % | 20 % | 14 % | 29 % | 11 % |
| Speyer | 29 | 36 % | 24 % | 21 % | 31 % | 17 % |
| Tübingen | 28 | 36 % | 21 % | 14 % | 43 % | 7 % |
| Ulm | 25 | 16 % | 0 % | 16 % | 16 % | 0 % |
Handwerker-Websites je Gewerk
| Gewerk | Websites | Nummer nicht antippbar | keine Nummer | Google-Dienst ohne Zustimmung | keine Beschreibung | nicht fürs Handy |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Maler und Lackierer | 132 | 50 % | 15 % | 17 % | 32 % | 7 % |
| Elektro | 140 | 34 % | 11 % | 9 % | 32 % | 9 % |
| Sanitär, Heizung, Klima | 156 | 24 % | 12 % | 15 % | 26 % | 6 % |
| Dachdecker | 106 | 39 % | 12 % | 12 % | 35 % | 8 % |
Methodik der Studie
Stichprobe. 625 Betriebe der Gewerke Maler, Elektro, Sanitär und Heizung sowie Dachdecker aus 17 Städten, bis zu zehn je Gewerk und Stadt. Sitz in der Stadt selbst oder im umliegenden Landkreis, nicht weiter als rund 20 Kilometer entfernt. Die Adressen stammen aus den Mitgliederlisten der Innungen, aus der Betriebssuche des Landesinnungsverbands der Dachdecker, aus Branchenverzeichnissen und aus Websuchen. Aus Verzeichnissen wurde nur der Verweis auf die eigene Website des Betriebs übernommen. Nicht aufgenommen wurden Unternehmensgruppen, Händler, Industriebetriebe und Betriebe in Liquidation.
Zeitraum. Geprüft am 27. September 2026.
Prüfung. Jede Website wurde einmal mit dem Website-Check geprüft, derselben Prüfung, die dort öffentlich läuft. Gelesen wird die Startseite so, wie der Server sie ausliefert, dazu robots.txt und die Kopfdaten einiger Unterseiten. Was erst ein Skript im Browser nachlädt, sieht die Prüfung nicht. Die Befunde zu Google-Diensten sind deshalb Untergrenzen.
Zweiter Abruf. Für Stellenangebote, WhatsApp und Meisterbetrieb wurde die Startseite ein zweites Mal abgerufen, bei 531 der 534 ausgewerteten Websites mit Erfolg. Gezählt wird ein Verweis, dessen Text oder Ziel Karriere, Stellenangebote, Jobs, Ausbildung oder Bewerbung nennt, ein Verweis in einen WhatsApp-Chat mit Nummer (Knöpfe zum Teilen der Seite zählen nicht) und das Wort Meisterbetrieb im sichtbaren Text oder in einer Bildbeschreibung. Ein Firmenname wie „Malermeister Schmidt“ zählt nicht. Von Hand nachgeprüft haben wir 63 der Verweise auf Stellen, darunter alle, die nur über Wörter wie „Ausbildung“ oder „Bewerbung“ erkannt wurden. Zwei davon führten nicht zu Stellen des Betriebs, sondern zu einer fremden Informationsseite und zu Schulungen, die der Betrieb anbietet.
System. Aus demselben Abruf stammt, womit eine Website gebaut ist. Erkannt wird das an Spuren im Quelltext, die nur das jeweilige System hinterlässt, bei 159 Websites war keine eindeutig. Die Anteile je System stehen in der Tabelle zum Herunterladen.
Nicht ausgewertet. 91 der 625 geprüften Adressen: 56 waren nicht erreichbar oder wiesen die Prüfung ab, 35 lieferten keinen auswertbaren Inhalt, etwa eine Baustellenseite, die Standardseite des Hosters oder eine leere Antwort. Ausgewertet wurden 534 Websites.
Was wir erhoben, aber nicht veröffentlicht haben. Ob die Startseite auf Impressum und Datenschutzerklärung verweist. Bei der Nachprüfung von Hand war bei 5 von 15 als fehlend gemeldeten Seiten das Impressum sehr wohl da: auf der Startseite selbst, in einer Navigation, die erst per JavaScript entsteht, oder hinter einem anklickbaren Block statt eines Links. Eine Quote mit so vielen Fehlmeldungen veröffentlichen wir nicht. Ebenso wenig die Antwortzeit der Server: Sie wurde von ausserhalb Deutschlands gemessen und sagt deshalb mehr über die Entfernung als über den Server.
Grenzen. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ für alle Handwerksbetriebe. Wer in einer Innung ist oder in einem Verzeichnis mit Website steht, ist eher überdurchschnittlich gut aufgestellt. Betriebe ganz ohne Website kommen nicht vor.
Keine Namen. Veröffentlicht werden nur Anteile. Topblog ist eine Agentur für Websites und Suchmaschinenoptimierung und verdient Geld damit, Seiten wie diese besser zu machen. Gerade deshalb bekommen die geprüften Betriebe von uns keine Werbung, und niemand erfährt hier, welcher Betrieb welche Lücke hat.