Das Wichtigste in Kürze:
- Ist der Webdesigner nicht erreichbar, kommt zuerst die Domain. Wer sie hat, kann die Website an jeden anderen Ort umziehen. Alles andere lässt sich zur Not neu bauen
- Für eine .de-Domain gibt es einen Weg ohne den bisherigen Anbieter: Der neue Anbieter beantragt bei der DENIC einen Code, der per Brief an den eingetragenen Domaininhaber geht
- Ob Sie das selbst können, hängt daran, auf wessen Namen Domain und Hosting laufen. Das steht in Rechnungen und Vertrag, nicht in der öffentlichen Domainabfrage
Ein Beispiel, wie es oft beginnt: Die Inhaberin eines Elektrobetriebs will auf der Website eine neue Telefonnummer eintragen lassen. Sie schreibt dem Webdesigner, der die Seite vor vier Jahren gebaut hat und seitdem jedes Jahr eine Rechnung für „Hosting und Pflege“ schickt. Keine Antwort. Nach zwei Wochen ruft sie an, die Nummer ist nicht mehr vergeben. Auf seiner eigenen Website steht seit dem Frühjahr nur noch eine Baustellenseite.
Jetzt stehen bei Google eine alte Nummer und eine Website, an die sie nicht herankommt. Sie weiss nicht, wo die Seite liegt, wem die Domain gehört und ob sie in drei Monaten noch erreichbar ist. Wenn der Webdesigner nicht erreichbar ist, fühlt sich das an wie ein verlorener Schlüssel zum eigenen Laden. Meist lässt sich mehr retten, als es im ersten Moment scheint. Dieser Beitrag zeigt die Reihenfolge.
Webdesigner nicht erreichbar: zuerst klären, was Ihnen gehört
Eine Website besteht aus mehreren Teilen, und jeder kann woanders liegen und jemand anderem gehören. Bevor Sie irgendetwas unternehmen, lohnt ein Blick in Ihre Unterlagen: Angebot, Vertrag, Rechnungen, alte Mails mit Zugangsdaten. Dort steht meist, wer was bestellt hat und auf welchen Namen.
| Baustein | Wo er meist liegt | Was Sie brauchen |
|---|---|---|
| Domain (ihr-betrieb.de) | bei einem Domainanbieter, oft im Paket des Webdesigners | Inhaberschaft auf Ihren Namen, Zugang oder einen Code für den Umzug |
| Hosting (der Speicherplatz) | beim selben Anbieter oder bei einem Hoster des Webdesigners | eigener Vertrag oder wenigstens eine Kopie der Dateien und der Datenbank |
| System (z. B. WordPress) | auf dem Hosting | Zugang als Administrator |
| Inhalte | Texte, Fotos, Logo | Ihre eigenen Fotos und Texte, bei gekauften Bildern die Lizenz |
| Google-Profil und E-Mail | oft vom Webdesigner mit eingerichtet | Eigentümerrechte im Profil, Zugang zum Postfach |
Die Domain ist der wichtigste Teil. Hosting, Design und System lassen sich ersetzen, notfalls mit einer neuen Website. Die Adresse, unter der Kunden Sie seit Jahren finden und unter der vielleicht auch Ihre E-Mails laufen, lässt sich nicht ersetzen.
Die Domain zurückholen, wenn der Webdesigner nicht reagiert
Seit 2018 zeigt die öffentliche Abfrage der DENIC bei .de-Domains den Inhaber nicht mehr an. Sie sehen dort nur, dass die Domain vergeben ist. Wer als Inhaber eingetragen ist, verraten Ihnen deshalb die eigenen Unterlagen oder der Domainanbieter, bei dem die Domain liegt.
Domaininhaber oder nur Kunde des Webdesigners
Ist Ihr Betrieb als Inhaber eingetragen, gehört die Domain Ihnen, auch wenn der Webdesigner sie bestellt hat und verwaltet. Dann können Sie sie zu einem anderen Anbieter umziehen. Ist dagegen der Webdesigner selbst als Inhaber eingetragen, ist der Weg schwerer. Dann brauchen Sie seine Mitwirkung oder eine rechtliche Klärung, ob er die Domain an Sie übertragen muss. Das hängt vom Vertrag und vom Einzelfall ab und ist eine Frage für einen Anwalt. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Die Inhaberdaten sollten in jedem Fall stimmen, vor allem die Postanschrift. Sie werden gleich sehen, warum.
Domain-Umzug ohne den Webdesigner: der Code von der DENIC
Für den Umzug einer .de-Domain braucht der neue Anbieter einen Code, die AuthInfo. Normalerweise stellt ihn der bisherige Anbieter aus, auf Anfrage des Inhabers. Reagiert dort niemand, kann der neue Anbieter bei der DENIC einen zweiten Code beantragen, die AuthInfo2. So beschreibt es die DENIC in ihrer Dokumentation zum Providerwechsel.
Diesen Code schickt die DENIC nach Angaben der Anbieter per Brief an die Anschrift des eingetragenen Domaininhabers, und der Antrag kostet eine Gebühr. Mit dem Code im Briefkasten geben Sie ihn an den neuen Anbieter weiter, und der Umzug läuft. Steht im Register noch eine alte Adresse, kommt der Brief nicht an. Deshalb die Bitte von oben.
Andere Domainendungen wie .com oder .eu
Bei .com, .eu und den meisten anderen Endungen läuft der Umzug ebenfalls über einen Code, den der bisherige Anbieter herausgibt. Einen Weg über die Vergabestelle wie bei der DENIC gibt es dort nicht in derselben Form. Fragen Sie den neuen Anbieter, welche Möglichkeiten es für Ihre Endung gibt, bevor Sie etwas kündigen.
Hosting und Zugangsdaten zur Website selbst anfordern
Beim Hosting kommt es wieder auf den Vertrag an. Läuft er auf Ihren Betrieb, sind Sie Kunde des Hosters und können ihn direkt anschreiben: neues Passwort, Zugang zum Kundenbereich, eine Sicherung der Website. Halten Sie dafür Kundennummer und Rechnungsadresse bereit.
Liegt Ihre Website dagegen im Paket des Webdesigners, sind Sie für den Hoster ein Fremder. Er wird Ihnen ohne Zustimmung seines Kunden keinen Zugang geben, und das ist auch richtig so. Dann bleibt der Weg über die Domain: Sie ziehen die Adresse um, bauen die Seite an einem neuen Ort auf und lassen den alten Speicherplatz auslaufen.
Ein Sonderfall sind Baukästen wie Wix oder Jimdo. Dort lässt sich die Website meist gar nicht zu einem anderen Anbieter mitnehmen, nur die Domain. Was das auf Dauer kostet, rechnet der Beitrag zu den Kosten von Wix und Jimdo nach drei Jahren vor.
Inhalte der Website sichern, solange sie noch online ist
Solange die alte Seite erreichbar ist, sichern Sie, was sich sichern lässt. Kopieren Sie die Texte jeder Seite in ein Dokument, speichern Sie die Fotos und notieren Sie die Adressen aller Unterseiten. Diese Liste brauchen Sie später, um alte Adressen auf die neue Website weiterzuleiten, damit Google die Seite nicht neu kennenlernen muss.
Bei den Bildern lohnt ein genauer Blick. Ihre eigenen Fotos von Baustellen und Team gehören Ihnen. Bilder aus einer Bilddatenbank hat oft der Webdesigner lizenziert, und ob diese Lizenz für Sie weiter gilt, steht in den Bedingungen der Datenbank. Im Zweifel ersetzen Sie solche Bilder auf der neuen Seite durch eigene, was ohnehin besser wirkt.
Ist die Seite schon offline, hilft manchmal das Internet Archive. Unter web.archive.org finden sich von vielen Websites ältere Fassungen, aus denen sich Texte wiederherstellen lassen.
Google-Profil und E-Mail beim Webdesigner nicht vergessen
Viele Webdesigner richten nebenbei das Google-Unternehmensprofil und die E-Mail-Adressen mit ein. Beide hängen nicht an der Website, aber oft am selben Menschen. Prüfen Sie, ob Sie im Google-Profil Inhaber sind oder nur der Webdesigner. Ist nur er eingetragen, können Sie bei Google den Zugriff beantragen. Wie das geht, steht im Beitrag zum Google-Unternehmensprofil verwalten.
Bei der E-Mail ist Eile geboten, wenn sie über die Domain läuft. Zieht die Domain um, müssen die Postfächer mitziehen, sonst kommen Kundenmails eines Tages nicht mehr an. Lassen Sie sich vom neuen Anbieter zeigen, wie die Postfächer übertragen werden, bevor die Domain wechselt.
Neue Website statt Rettung, wenn der Webdesigner weg bleibt
Nicht jede alte Website ist es wert, Stück für Stück zurückgeholt zu werden. Ist sie vier oder fünf Jahre alt, am Handy unbequem und auf einem System, das seit Jahren niemand aktualisiert hat, ist ein Neubau oft der kürzere Weg. Von der alten Seite brauchen Sie dann nur die Domain, die Texte, die eigenen Fotos und die Liste der Adressen.
Worauf es beim Wechsel ankommt, damit vorhandene Platzierungen bei Google nicht verloren gehen, beschreibt der Beitrag zum Website-Relaunch. Was eine neue Seite kostet und welche monatlichen Posten dazukommen, ordnet der Leitfaden zu Website-Kosten ein, die laufenden Kosten im Einzelnen der Beitrag zu den laufenden Kosten einer Website.
Beim nächsten Webdesigner: Domain und Zugangsdaten absichern
Damit Sie nicht noch einmal in dieser Lage sind, klären Sie fünf Dinge, bevor die Arbeit beginnt:
- Die Domain wird auf Ihren Betrieb als Inhaber registriert, mit Ihrer aktuellen Anschrift.
- Sie bekommen eigene Zugangsdaten zum System, als Administrator, nicht nur als Redakteur.
- Es ist schriftlich festgehalten, wem Hosting und Inhalte gehören.
- Bei einer Kündigung gibt der Anbieter den Code für den Domain-Umzug und eine Sicherung heraus.
- Im Google-Profil sind Sie selbst Inhaber, der Webdesigner höchstens Verwalter.
Bei Topblog gehören Domain, Zugänge und Inhalte dem Kunden, und ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist jederzeit möglich. Wer eine verwaiste Website übernehmen lassen will, schreibt über das Kontaktformular, was er an Unterlagen hat. Mehr braucht es für die erste Einschätzung nicht.
Zurück zur Inhaberin des Elektrobetriebs. Ihr Name stand als Domaininhaber in der ersten Rechnung, die Anschrift stimmte. Zehn Tage nach dem Antrag lag der Brief der DENIC im Briefkasten. Eine Woche später stand die neue Nummer auf der Website, und diesmal hat sie die Zugangsdaten selbst.
Häufig gestellte Fragen
Was tun, wenn der Webdesigner nicht erreichbar ist?
Zuerst die Unterlagen prüfen: Auf wessen Namen laufen Domain und Hosting? Dann die Inhalte sichern, solange die Website online ist. Sind Sie Domaininhaber, kann ein neuer Anbieter die Domain auch ohne den alten Webdesigner umziehen, bei .de-Domains über einen Code, den die DENIC per Brief an den Inhaber schickt.
Wem gehört die Domain, wenn der Webdesigner sie registriert hat?
Das entscheidet der Eintrag als Domaininhaber, nicht wer sie bestellt oder bezahlt hat. Steht Ihr Betrieb dort, gehört sie Ihnen. Steht der Webdesigner dort, brauchen Sie seine Mitwirkung oder eine rechtliche Klärung. Das ist keine Rechtsberatung, im Streitfall hilft ein Anwalt.
Wie bekomme ich den Code für den Umzug meiner Domain?
Den Code, die AuthInfo, stellt normalerweise der bisherige Anbieter auf Anfrage des Inhabers aus. Reagiert er nicht, beantragt bei .de-Domains der neue Anbieter bei der DENIC eine AuthInfo2. Sie geht per Brief an die eingetragene Anschrift des Domaininhabers, der Antrag ist gebührenpflichtig.
Wie lange dauert ein Domain-Umzug ohne den alten Webdesigner?
Liegt der Code vor, ist der Umzug in der Regel nach wenigen Stunden bis einem Tag abgeschlossen. Muss er erst per Brief von der DENIC kommen, rechnen Sie mit einer bis zwei Wochen. Die Website selbst wieder aufzubauen, dauert je nach Umfang länger.
Kann ich meine alte Website zu einem neuen Webdesigner mitnehmen?
Wenn Sie Zugang zum Hosting oder eine Sicherung von Dateien und Datenbank haben, meist ja, zum Beispiel bei WordPress. Bei Baukästen wie Wix oder Jimdo lässt sich in der Regel nur die Domain mitnehmen, nicht die Seite. Ohne Zugang bleibt der Neubau mit den gesicherten Texten und Fotos.