Das Wichtigste in Kürze:
- Azubis finden ist im Handwerk schwer geworden: Für das Ausbildungsjahr 2025 meldet der Zentralverband des Handwerks über 16.000 Ausbildungsstellen, die unbesetzt blieben
- Der wichtigste Weg ist das Praktikum. Wer einen Betrieb eine Woche von innen gesehen hat, bewirbt sich dort viel eher als bei einem Namen in einer Börse
- Schüler entscheiden selten allein. Eltern schauen sich den Betrieb fast immer mit an, und meist zuerst auf der Website
Ein Beispiel aus dem Juli, wie es viele Betriebe kennen. Der Inhaber eines SHK-Betriebs mit sieben Leuten hat seit Februar eine Lehrstelle für Anlagenmechaniker ausgeschrieben. Die Anzeige steht in der Lehrstellenbörse der Kammer und bei der Arbeitsagentur. Gekommen sind zwei Bewerbungen. Einer hat abgesagt, der andere ist zum Gespräch nicht erschienen. Am 1. September fängt niemand an.
Zur selben Zeit sitzt ein Fünfzehnjähriger mit seiner Mutter am Küchentisch. Er schraubt gern, hat im Frühjahr zwei Tage bei einem Elektriker mitgearbeitet und weiss noch nicht, was er nach der Realschule machen will. Die Mutter googelt „Ausbildung Anlagenmechaniker“ und den Ort. Sie findet eine Börse mit dreissig Einträgen, die alle gleich aussehen, und zwei Betriebe mit eigener Website. Nur einer davon zeigt, wer dort arbeitet. Wer heute Azubis finden will, muss die beiden am Küchentisch erreichen, nicht nur den Jugendlichen. Dieser Beitrag zeigt, wie.
Azubis finden im Handwerk: warum es so schwer geworden ist
Das Handwerk bildet weiter viele junge Menschen aus. Laut Berufsbildungsbericht 2026 unterschrieben 135.540 junge Menschen im Jahr 2025 einen neuen Ausbildungsvertrag im Handwerk, etwas mehr als im Jahr davor. Gleichzeitig blieben nach Angaben des Zentralverbands über 16.000 angebotene Stellen leer, so berichtet es die Deutsche Handwerks Zeitung im Mai 2026.
Für Ihren Betrieb heisst das: Es fehlt nicht an Ausbildungsplätzen, es fehlt an Bewerbern, die sich für genau Ihren Platz entscheiden. Jugendliche haben heute oft mehrere Angebote und vergleichen. Ein Ausbildungsplatz, der nur in einer Börse steht, konkurriert mit allen anderen, die dort auch stehen.
Der Vergleich findet allerdings früher statt, als viele Betriebe denken. Wer im Juli noch sucht, sucht nach denen, die sich bis dahin nicht entschieden haben. Die meisten Entscheidungen fallen im Schuljahr davor.
Wann Betriebe Azubis suchen sollten: das Ausbildungsjahr im Überblick
Die meisten Ausbildungen im Handwerk beginnen am 1. August oder 1. September. Rückwärts gerechnet ergibt sich ein Kalender, der für einen Platz im nächsten Sommer schon jetzt im Herbst beginnt.
| Zeitraum | Was Schüler tun | Was der Betrieb tun kann |
|---|---|---|
| Herbst bis Winter | Schulpraktika, Berufsorientierung, erste Messen | Praktikumsplätze anbieten, Kontakt zu Schulen aufnehmen |
| Winter bis Frühjahr | Bewerbungen schreiben, Betriebe vergleichen | Lehrstelle ausschreiben, Ausbildungsseite fertig haben |
| Frühjahr | Probearbeiten, erste Zusagen | schnell antworten, Probetag anbieten, Vertrag machen |
| Sommer | Unentschlossene suchen weiter, manche springen ab | Lehrstelle aktiv halten, Kammer und Arbeitsagentur ansprechen |
| ab September | Nachzügler, Abbrecher aus Schule oder Studium | späteren Beginn anbieten, wenn es passt |
Die Tabelle zeigt auch, warum der Betrieb aus dem Beispiel leer ausging. Im Juli war der Fünfzehnjährige zwar noch offen, aber er hatte schon zwei Tage bei einem Elektriker gearbeitet. Den Kontakt dorthin gab es bereits.
Das Praktikum als Weg zu Azubis im Handwerk
Kein anderer Weg bringt so verlässlich Azubis wie das Praktikum. Ein Jugendlicher, der eine Woche mit auf der Baustelle war, weiss, ob ihm die Arbeit liegt, und Sie wissen, ob er pünktlich kommt und mitdenkt. Beide Seiten entscheiden sich danach auf festerem Grund als nach einem Gespräch im Büro.
Viele Schulen schreiben Praktika in den Klassen acht bis zehn verbindlich vor. In Baden-Württemberg heissen sie an Gymnasien BOGY und an Realschulen BORS. Dazu kommen Ferienpraktika, die Jugendliche selbst suchen. Bieten Sie beides an und sagen Sie es öffentlich, auf der Website und in der Börse der Kammer.
Damit aus dem Praktikum eine Bewerbung wird, braucht es zwei Dinge: echte Arbeit statt Kehren in der Halle und ein Gespräch am letzten Tag. Fragen Sie direkt, ob er sich eine Ausbildung bei Ihnen vorstellen kann. Viele Jugendliche trauen sich nicht, selbst zu fragen.
Schulen und Lehrer als Kontakt für Ausbildungsbetriebe
Lehrer und Berufsberater kennen ihre Schüler und wissen, wer handwerklich geschickt ist. Ein Anruf bei den Schulen in der Umgebung, ein Angebot für einen Betriebsbesuch mit der Klasse oder ein Stand beim Elternabend zur Berufsorientierung kosten Sie einen Nachmittag. Einige Schulen haben feste Partnerschaften mit Betrieben, fragen Sie danach.
Besonders glaubwürdig sind Ihre eigenen Azubis. Ein Lehrling im zweiten Jahr, der vor einer neunten Klasse erzählt, wie sein Tag aussieht, erreicht mehr als jeder Meister. In Baden-Württemberg gibt es dafür die Initiative der Ausbildungsbotschafter, über die Kammern lassen sich solche Einsätze vermitteln.
Lehrstellenbörse, Lehrstellen-Radar und Arbeitsagentur
Die Börsen sind kein Ersatz für Praktikum und Schulkontakt, aber sie gehören dazu. Die Handwerkskammern betreiben Lehrstellenbörsen, die meist mit dem Lehrstellen-Radar verbunden sind, einer App, in der Jugendliche Ausbildungsplätze und Praktika in ihrer Nähe finden. Für Betriebe ist der Eintrag bei vielen Kammern kostenlos, die Bedingungen nennt Ihre Kammer.
Auch die Bundesagentur für Arbeit nimmt Ausbildungsstellen kostenfrei auf. Ihr Vorteil liegt weniger in der Börse als in der Berufsberatung: Die Berater sprechen jedes Jahr mit vielen Schülern und können Ihren Platz gezielt vorschlagen. Rufen Sie den Arbeitgeber-Service an und schildern Sie, wen Sie suchen.
Wie die Börsen im Vergleich zu bezahlten Portalen abschneiden und was Indeed kostet, steht im Beitrag Mitarbeiter finden im Handwerk ohne Indeed. Für Azubis gilt dort dasselbe wie für Gesellen, nur mit kürzerem Text und mehr Fotos.
Eltern als Mitentscheider bei der Ausbildung im Handwerk
Kaum ein Fünfzehnjähriger unterschreibt einen Ausbildungsvertrag, ohne dass seine Eltern den Betrieb gesehen haben. Bei Minderjährigen müssen sie den Vertrag ohnehin mit unterschreiben. Was Eltern wissen wollen, ist oft etwas anderes als das, was der Jugendliche fragt.
Der Sohn fragt nach dem Werkzeug, dem Team und ob er den Führerschein bezahlt bekommt. Die Mutter fragt, ob ihr Kind dort gut betreut wird, wer der Ausbilder ist, wie die Chancen nach der Gesellenprüfung stehen und wie er morgens zum Betrieb kommt. Beantworten Sie beides, auf der Website und im Gespräch. Bieten Sie an, dass die Eltern zum Vorstellungsgespräch mitkommen.
Die Ausbildungsseite auf der Website: wo Azubis sich entscheiden
Fast jeder Weg oben endet am selben Ort. Wer den Betrieb aus der Börse, vom Praktikum eines Freundes oder vom Elternabend kennt, schlägt ihn danach im Internet nach. In unserer Prüfung von 534 Handwerker-Websites verlinkte etwa die Hälfte auf der Startseite Stellen, Karriere oder Ausbildung. Bei der anderen Hälfte findet die Mutter am Küchentisch nichts.
Eine gute Ausbildungsseite zeigt den Ausbilder mit Namen und Foto, die aktuellen Azubis bei der Arbeit und einen ehrlichen Tag vom Arbeitsbeginn bis zum Feierabend. Sie nennt die Vergütung je Lehrjahr. Die gesetzliche Untergrenze für einen Ausbildungsbeginn 2026 liegt bei 724 € im ersten Lehrjahr, so das Bundesinstitut für Berufsbildung, und viele Tarife im Handwerk liegen darüber. Dazu kommt, was Sie zusätzlich bieten, vom Zuschuss zum Führerschein bis zur Übernahme nach der Prüfung.
Beworben wird ohne Anschreiben. Ein kurzes Formular, ein Knopf für WhatsApp oder eine Nummer, unter der jemand abnimmt, genügen. Ein Jugendlicher, der zum ersten Mal einen Betrieb anschreibt, scheitert sonst schon am ersten Satz.
Welche Bausteine eine solche Seite braucht, von den Teamfotos bis zur Anzeige in der Google-Jobsuche, beschreibt der Beitrag zur Karriereseite für Handwerksbetriebe. Topblog baut sie ab 800 € als Zusatz zu einer Website für Handwerker, mit bis zu drei Stellen, darunter auch Ausbildungsplätze.
Google-Profil und Social Media für die Azubi-Suche
Bevor jemand Ihre Website öffnet, sieht er oft Ihr Google-Profil. Fotos vom Team, ein Beitrag zur offenen Lehrstelle und Bewertungen, auf die Sie antworten, zeigen auch Bewerbern einen Betrieb, in dem etwas passiert. Was ins Profil gehört, steht im Beitrag zum Google-Unternehmensprofil für Handwerker.
Instagram und TikTok können helfen, wenn jemand im Betrieb Lust darauf hat. Ein kurzes Video vom Azubi, der zum ersten Mal eine Heizung in Betrieb nimmt, sagt mehr als jeder Werbetext. Zwingend ist das nicht. Ein Betrieb, der keine Zeit für Videos hat, gewinnt mit Praktikum, Schulkontakt und einer guten Ausbildungsseite trotzdem seine Azubis.
Welcher Weg zu welchem Ausbildungsbetrieb passt
Ein kleiner Betrieb, der alle zwei Jahre einen Azubi sucht, braucht keinen grossen Apparat. Ein Praktikumsplatz, ein guter Draht zu ein oder zwei Schulen, der Eintrag bei der Kammer und eine ehrliche Ausbildungsseite reichen meist. Wer jedes Jahr mehrere Lehrlinge einstellt, macht Praktika und Schulbesuche zum festen Ablauf, mit einem Ausbilder, der dafür Zeit bekommt.
Wie Betriebe vor Ort insgesamt bei Google sichtbar werden, für Kunden wie für Bewerber, ordnet der Leitfaden zu lokalem SEO ein.
Zurück an den Küchentisch. Angenommen, der SHK-Betrieb hätte im Herbst davor einen Praktikumsplatz angeboten und eine Seite gehabt, auf der der Ausbilder lacht und ein Azubi im zweiten Jahr erzählt, was er gelernt hat. Die Mutter hätte die Seite ihrem Sohn hingeschoben. Und er hätte gesagt: „Da will ich mal eine Woche hin.“
Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich als Handwerksbetrieb Azubis?
Am verlässlichsten über Praktika, weil Jugendliche den Betrieb dort von innen kennenlernen. Dazu kommen Kontakte zu Schulen in der Nähe, der kostenlose Eintrag in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer und die Arbeitsagentur. Fast alle diese Wege führen am Ende auf Ihre Website, deshalb gehört dort eine Ausbildungsseite hin.
Wann sollte ein Handwerksbetrieb Ausbildungsplätze ausschreiben?
Für einen Beginn im August oder September am besten im Herbst und Winter davor. Viele Jugendliche vergleichen Betriebe zwischen Winter und Frühjahr und sagen bis zum Sommer zu. Praktikumsplätze lohnen sich schon ein Jahr vorher, in den Klassen acht und neun.
Was kostet eine Ausbildungsanzeige im Handwerk?
Der Eintrag in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer ist bei vielen Kammern für Betriebe kostenlos, die Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur ebenfalls. Bezahlte Portale rechnen nach Laufzeit oder Klicks ab. Eine eigene Ausbildungsseite als Teil der Karriereseite kostet bei Topblog ab 800 € einmalig, zusätzlich zur Website.
Wie viel verdient ein Azubi im Handwerk im ersten Lehrjahr?
Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung liegt für einen Ausbildungsbeginn 2026 bei 724 € im ersten Lehrjahr, so das Bundesinstitut für Berufsbildung. Für tarifgebundene Betriebe gilt der Tarif, und in vielen Gewerken liegt er darüber. Nennen Sie die Vergütung je Lehrjahr in der Anzeige.
Was erwarten Eltern von einem Ausbildungsbetrieb im Handwerk?
Eltern wollen wissen, wer ihr Kind ausbildet, wie es betreut wird, wie es zum Betrieb kommt und welche Aussichten es nach der Gesellenprüfung hat. Ein Foto des Ausbilders, ein ehrlich beschriebener Arbeitstag und das Angebot, zum Gespräch mitzukommen, beantworten das meiste davon.